Faith No More. Rituals for Uncertain Times
Gruppenausstellung in Belgien
Die Ausstellung „Faith no more. Rituals for Uncertain Times” im Abby Museum in Kortrijk (Belgien) befasst sich mit apokalyptischem Denken, (verzweifelter) Hoffnung und Trost im Mittelalter und heute. Zu sehen sind Werke von Hermann Nitsch sowie Marina Abramović, Francis Alÿs, Michaël Borremans, Pieter Bruegel, Lucas Cranach, Thierry De Cordier, Otto Dix, Marlene Dumas und vielen anderen.
Abby ist in einer ehemaligen Abtei untergebracht: einem geschichtsträchtigen Ort, der zwischen Glauben und Aberglauben schwebt. Hier versammelten sich einst Menschen zum Gebet, zu wundersamen Heilungen und rituellen Exorzismen. Die Architektur und Geschichte dieses Ortes, kombiniert mit einer sorgfältig durchdachten Szenografie, schaffen ein tief bewegendes Ausstellungserlebnis. Ein Abstieg in die unterirdischen Galerien lässt die Besucher in spätmittelalterliche und zeitgenössische Kunst über Untergang und Anbruch, Verzweiflung und Trost eintauchen.
Wir leben in dunklen Zeiten. Klimawandel, Kriege, geopolitische Spannungen, technologischer Umbruch und soziale Unsicherheit machen es schwierig, Orientierung oder Seelenfrieden zu finden, und schüren apokalyptische Gedanken. Dies spiegelt die (spät-)mittelalterliche Weltanschauung wider, die von Chaos, Bedrohung, Instabilität und der Hingabe an höhere Mächte geprägt war.
Jahrhundertelang bot die Religion kollektive Orientierung und Sinn – wenn auch mit Dogmen, Ausgrenzungen und Extremen verbunden. Der Glaube war der Weg, die Welt zu verstehen, Trost und Struktur inmitten der Unbeständigkeit des Alltags zu finden. – Wo finden wir in der heutigen säkularisierten und fragmentierten Gesellschaft neue Wege, um mit der Welt und miteinander in Beziehung zu treten? Wie geben wir unseren Ängsten, unserer Sehnsucht nach Verbindung, Hoffnung und Verankerung Gestalt?
Diese Ausstellung geht von dieser Suche aus. Sie zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler aus Vergangenheit und Gegenwart auf existenzielle Unsicherheit reagieren, wie sie große Erzählungen und kleine Rituale gestalten und wie Kunst neue Perspektiven für kollektive Verankerung bieten kann. Vielleicht liegt darin ein Schlüssel für unsere Zeit: nicht in vorgefertigten Antworten, sondern in der gemeinsamen Suche, Erfahrung und Vorstellung davon, was es bedeutet, Mensch zu sein in einer Welt im Wandel.
Faith No More. Rituals for Uncertain Times wurde von Sarah Keymeulen und Klara Rowaert in Zusammenarbeit mit dem Co-Kurator Kendell Geers kuratiert. Die Kunstwerke von Hermann Nitsch in der Ausstellung wurden freundlicherweise von Tallieu Art Office. zur Verfügung gestellt.