Gesamtkunstwerk
Das Laboratrium der Sinne
Die Fondazione Donnaregina per le arti contemporanee präsentiert in Zusammenarbeit mit der Fondazione Morra und im Rahmen des Programms „Kulturelle Aktionen – Progetto XXI“ der Fondazione Donnaregina die Ausstellung „Gesamtkunstwerk. Das Labor der Sinne“ im Hermann-Nitsch-Museum. Kuratiert von Giuseppe Morra und Massimo Maiorino, ist sie vom 27. Februar bis 31. Juli 2026 im Hermann-Nitsch-Museum zu sehen.
Die Ausstellung vereint erstmals einen zentralen Bestandteil der Museumssammlung in seiner vollen konzeptionellen und wahrnehmungsbezogenen Einheit. Dies geschieht durch eine neu konzipierte Installation, die als Labor der Sinne gestaltet ist: eine immersive und prozessorientierte Umgebung, in der das Kunstwerk nicht als fertiges Objekt, sondern als aktives Instrument präsentiert wird, das die Besucher in ein umfassendes ästhetisches Erlebnis einbindet. Im Sinne des Gesamtkunstwerks wird das Museum zu einem lebendigen Organismus, in dem Malerei, Aktionsobjekte, Klang, Raum, Zeit und Körperlichkeit zusammenfließen, um eine intensivere Wahrnehmung der Realität zu erzeugen und Hermann Nitschs Vision des Kunstwerks als radikale Erweiterung des Lebens zu bekräftigen.
Im Zentrum der Ausstellung stehen drei großformatige Schüttbilder, die bei der 152. Aktion (Neapel 2017) entstanden sind – eine der radikalsten Aktionen des Künstlers. Diese Werke werden im Dialog mit fotografischen und videografischen Dokumentationen der Aktion sowie einer Auswahl an Instrumenten aus Nitschs malerischer und performativer Praxis präsentiert. Ebenfalls Teil der Ausstellung ist ein bedeutender Teil des von der Familie Scotto di Vettimo gestifteten chemischen und pharmazeutischen Labors, bestehend aus Flaschen, Kolben, Destillierkolben und Behältern, die die alchemistische und experimentelle Dimension von Nitschs Werk verdeutlichen.
Die Ausstellung integriert Kunstwerke, Dokumente und heterogene Materialien in eine ganzheitliche Sinnesumgebung. Diese wird durch den Klang der Partituren des Künstlers, die Farbintensität der Gemälde, den Duft von Essenzen und Blüten sowie die Möglichkeit taktiler und gustatorischer Erfahrungen aktiviert. So verwandelt sich das Museum in einen interaktiven und partizipativen Raum, der die Paradigmen der klassischen Museologie hinterfragt und eine neue Anthropologie ästhetischer Erfahrung entwirft.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen öffentlichen Rahmenprogramm mit Vorträgen begleitet, die alle auf Italienisch gehalten werden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen präsentieren. Diese Begegnungen sind als Momente kritischer Reflexion und Diskussion konzipiert und umfassen unter anderem: „Die Idee des synästhetischen Museums“ mit Stefania Zuliani; „Hermann Nitsch: Die 152. Aktion als Gesamtkunstwerk“ mit Lorenzo Mango; „Die Partituren von Hermann Nitsch“ mit Massimiliano Locanto; „Das Museum als performativer Raum“ mit Maria Giovanna Mancini. Die malerische Erfahrung Hermann Nitschs mit Maria De Vivo; Vitrinen, Sockel, Schränke: Museumliche Interpunktion im Labor der Sinne mit Elisabetta Modena; und Das Nitsch Museum Labor als Modell sensorischer Kuratierung mit Gianpaolo Cacciottolo, gipfelnd in einem abschließenden Synthesetreffen.
Das gesamte Projekt, einschließlich der Installation, der ausgestellten Werke und der in den Gesprächen entwickelten kritischen Beiträge, bildet die Grundlage einer Publikation, die das Museum als Ort des Experimentierens, des verkörperten Wissens und der tiefgreifenden Teilhabe bekräftigt.
Gesamtkunstwerk. Das Labor der Sinne im Hermann Nitsch Museum ist Teil des Programms „Kulturelle Aktionen – Progetto XXI“, einer Plattform, über die die Fondazione Donnaregina per le arti contemporanee seit 2012 die Erforschung und Weiterentwicklung zeitgenössischer künstlerischer Praktiken fördert – von ersten Erfahrungen bis hin zu radikalen und wegweisenden Untersuchungen. Das Programm trägt zur Konstruktion alternativer Narrative der Gegenwart und zur Entwicklung eines regionalen Kunstsystems bei, das auf der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Institutionen und privaten Partnern basiert.