Nitsch & Arnulf Rainer
Radikale Umbrüche in der Kunst des 20. Jahrhunderts
10. November 2026, 18.30 Uhr
Nitsch Foundation, Wien, AT

Begleitend zur Ausstellung „Arnulf Rainer & Hermann Nitsch“ im Arnulf Rainer Museum in Baden widmet sich die Nitsch Foundation in Wien ab 10. November 2026 dem spannungsreichen Dialog zweier herausragender österreichischer Künstler der Nachkriegsavantgarde.
Unter dem Titel „Nitsch & Arnulf Rainer – Radikale Umbrüche in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ richtet die Ausstellung den Blick auf zwei künstlerische Positionen, die sich radikal mit den Grenzen des Bildes, des Körpers und des traditionellen Kunstbegriffs auseinandersetzen. Übermalung und Aktion, Spur und Körper, Zerstörung und Transformation werden zu Ausdrucksformen einer Kunst, die den schöpferischen Prozess selbst zum Thema macht.
Rainer und Nitsch verbindet ein grundlegendes Interesse an der Überschreitung etablierter Bild- und Wahrnehmungsformen. Beide begreifen Kunst nicht als statisches Ergebnis, sondern als einen offenen, körperlich und materiell erfahrbaren Prozess. Bei Rainer wird die Bildfläche durch Übermalung, Verdichtung, Verformung und gestische Intervention zum Schauplatz einer fortwährenden Veränderung. Das ursprünglich Sichtbare wird zurückgenommen, überlagert und zugleich neu hervorgebracht. Nitsch erweitert den künstlerischen Prozess in den Raum: In seinem Orgien Mysterien Theater verbinden sich Aktion, Ritual, Farbe, Geräusch, Körper und Zeit zu einem umfassenden sinnlichen Geschehen.
Dabei berühren beide Künstler auch existenzielle Dimensionen menschlicher Erfahrung. Während Rainer in seinen frühen Arbeiten unter anderem innere Spannungszustände, körperliche Intensität und die Erfahrung von Angst in einer radikal gesteigerten Bildsprache verarbeitet, richtet Nitsch den Blick auf umfassendere körperliche und existentielle Erfahrungen. Im Orgien Mysterien Theater werden Wahrnehmung, Affekt und körperliches Erleben in einen Prozess der Verdichtung und Transformation überführt. Angst ist dabei ein möglicher Aspekt dieser Grenzerfahrung, steht jedoch nicht isoliert im Zentrum, sondern ist eingebettet in ein weit umfassenderes Verständnis von Kunst als existenziellem und sinnlichem Erfahrungsraum.
Die Gemeinsamkeiten von Rainer und Nitsch liegen somit weniger in einem einzelnen Motiv als in einer grundsätzlichen Haltung zur Kunst. Beide überschreiten die Grenzen des traditionellen Bildes und stellen den Prozess des Schaffens selbst ins Zentrum. Materialität, Körperlichkeit, Geste, Raum und Zeit werden zu eigenständigen künstlerischen Faktoren. Aus Übermalung und Aktion, Reduktion und Übersteigerung, Zerstörung und Transformation entstehen neue Formen der Wahrnehmung.
Die Präsentation in der Nitsch Foundation macht sichtbar, wie unterschiedlich Rainer und Nitsch auf die Umbrüche der Kunst nach 1945 reagierten und wie eng ihre Positionen zugleich durch das Interesse an Prozess, Materialität, Körperlichkeit und existenzieller Erfahrung miteinander verbunden sind. Sie eröffnet damit einen Blick auf zwei Künstler, die den Kunstbegriff des 20. Jahrhunderts nicht nur erweitert, sondern seine grundlegenden Voraussetzungen radikal befragt und neu definiert haben.
Gleichzeitig versteht sich die Präsentation als ergänzende Perspektive zur Ausstellung „Arnulf Rainer – Hermann Nitsch“ im Arnulf Rainer Museum in Baden und als Einladung, den Dialog der beiden Künstler an beiden Ausstellungsorten weiterzuverfolgen.
Die Eröffnung der Ausstellung erfolgt am Dienstag, 10. November um 18:30h mit einem Gastbeitrag von Dr. Nikolaus Kratzer.
Nitsch Foundation
Hegelgasse 5
1010 Wien
Österreich
www.nitsch-foundation.com