Nitsch & Arnulf Rainer

Radikale Umbrüche in der Kunst des 20. Jahrhunderts

Begleitend zur Ausstellung „Arnulf Rainer & Hermann Nitsch“ im Arnulf Rainer Museum in Baden widmet sich die Nitsch Foundation in Wien ab 10. November 2026 dem spannungsreichen Dialog zweier herausragender österreichischer Künstler der Nachkriegsavantgarde.

Unter dem Titel „Nitsch & Arnulf Rainer – Radikale Umbrüche in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ begegnen einander zwei Positionen, die die Grenzen des Bildes, des Körpers und des traditionellen Kunstbegriffs radikal hinterfragen. Übermalung und Aktion, Spur und Körper, Zerstörung und Transformation werden zu Ausdrucksformen einer Kunst, die den schöpferischen Prozess selbst zum Thema macht.

Eine Verbindung zwischen Rainer und Nitsch liegt in der Auseinandersetzung mit der Angst als existenzieller Erfahrung. Bei Rainer wird sie durch gestische Übersteigerung, Verformung und Übermalung unmittelbar auf der Bildfläche sichtbar. Nitsch führt diese Auseinandersetzung in den Raum und in das körperlich-sinnliche Geschehen seines Orgien Mysterien Theaters. Aktion, Ritual, Farbe und Klang werden zu Mitteln, um verdrängte Empfindungen freizulegen und Prozesse der Transformation und Katharsis anzustoßen.

„die faszination, die von rainers werk auf mich ausgeht, hat mich mein ganzes leben begleitet und bestimmt, kaum hat mich ein anderer zeitgenössischer künstler dermassen beeindruckt. ich gestehe es offen, ich verdanke ihm als maler sehr viel, ich habe vieles von ihm gelernt, rainer war für mich immer das mass des in dieser disziplin leistbaren. er hat oft als übermächtige figur, der ich nicht entfliehen konnte, meine eigene malerische entwicklung begleitet. ich weiss, dass ich ihn als maler nicht übertreffen kann, lediglich durch das gefüge meines gesamtkunstwerkes des o. m. theaters kann ich ähnlich grosses leisten.
ende der fünfziger jahre galt rainers werk als das neueste und radikalste, was moderne malerei betraf. für einige junge künstler und intellektuelle galt er als geheimtip, für die normale österreichische öffentlichkeit war er der bürgerschreck nr. 1. dass ein radikaler neuerer in österreich zum hofnarren wird, war immer so und wird wahrscheinlich auch für immer so bleiben.
sein ansinnen, bilder mit schwarzer farbe einfach zu übermalen und dies als kunst auszugeben, wurde zum volksgaudium. der höhepunkt seiner damaligen skandalösen karriere war, als er im november 1961 bei einer ausstellung in wolfsburg die preisgekrönte graphik einer deutschen künstlerin übermalte. rainer wurde verhaftet, in den hauptnachrichten des österreichischen rundfunks hat man über den vorfall berichtet. das hatte es bisher noch nicht gegeben, dass sich die nachrichten für einen künstler interessierten. dieses vorgehen rainers hat uns junge sehr beeindruckt, vor allem seine konsequenz. die gratwanderung zwischen aggression und künstlerischer wahrhaftigkeit war neu.“
Hermann Nitsch über Arnulf Rainer, 1997

Die Präsentation zeigt, wie Rainer und Nitsch auf die Umbrüche der Kunst nach 1945 reagierten und wie eng ihre Positionen zugleich durch Prozess, Materialität, Körperlichkeit und existenzielle Erfahrung verbunden sind.

Eröffnet wird die Ausstellung von Dr. Nikolaus Kratzer, der mit einem Gastvortrag in den Dialog der beiden Künstler einführt.

Die Präsentation versteht sich zugleich als Ergänzung zur Ausstellung „Arnulf Rainer – Hermann Nitsch“ im Arnulf Rainer Museum und als Einladung, den künstlerischen Dialog an beiden Ausstellungsorten weiterzuverfolgen.

 

© Arnulf Rainer (Studio Arnulf Rainer) © Hermann Nitsch (Foto: Hans Niederbacher)

 

 

 

10. November 2026 — 31. Januar 2027

Nitsch Foundation
Hegelgasse 5
1010 Wien
Österreich
www.nitsch-foundation.com

Dienstag bis Freitag 10 — 18 Uhr
Eintritt frei

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