Birth of Light / Geburt des Lichtes

Einzelausstellung in Paris

RX&SLAG freut sich, die fünfte Einzelausstellung von Hermann Nitsch zu präsentieren!

Hermann Nitsch wurde 1938 in Wien geboren und wuchs in einem von Krieg und Gewalt geprägten Umfeld auf. Dieser Kontext hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf sein Werk. Schon früh beschäftigte er sich intensiv mit Poesie, Grafikdesign und Theater, aber auch mit religiösen, psychoanalytischen und philosophischen Texten. Inspiriert von alten Mythen und Symbolen verschiedener Zivilisationen entwickelte Hermann Nitsch 1957 sein Lebenswerk: das Orgien Mysterien Theater. Dieses wahrhaft rituelle Theater schöpfte aus einer Vielzahl spiritueller Überzeugungen und Traditionen und verband christliche, heidnische und mythologische Symbole im weitesten Sinne. Der Künstler schafft dionysische Zeremonien in Form von kollektiven Dramen, die als Erfahrungen von Trance, Katharsis und Gemeinschaft konzipiert sind, in denen Gesten, Materie und Körper darauf abzielen, sich wieder tief mit dem Wesen des Seins zu verbinden.

Er konzipierte sein Theater in einem Österreich, das noch immer von der Unterdrückung der nationalsozialistischen Vergangenheit geprägt war, und versuchte, eine echte kollektive Katharsis zu provozieren, eine Möglichkeit, verdrängte Traumata zu lösen, indem er seine Kunst in den Dienst der Menschheit stellte. Als tiefgründiger Humanist war es sein Ziel, den Menschen zu helfen, über sich selbst hinauszuwachsen, einen Moment der Offenbarung und Reinheit zu erreichen. Sein von Spiritualität geprägtes Werk basiert auf den christlichen Symbolen und Gesten, mit denen er aufgewachsen ist, aber auch auf den großen Gründungsmythen der Zivilisationen. Durch die Vereinigung dieser Referenzen versucht er, eine universelle Dimension des Heiligen zu offenbaren und es zu einer gemeinsamen Sprache zu machen, die Zugang zum Licht verschafft.

Seine Kunst weckt ein Bewusstsein für die Existenz und spricht alle Sinne des Betrachters an: Sehen, Hören, Tasten und Riechen, in einer immersiven und kathartischen Erfahrung, die ein Gesamtkunstwerk schafft. Sein frühes Werk war Teil der Wiener Aktionskunstbewegung, zu deren Gründern er gehörte und die die Grenzen der Performancekunst zwischen Malerei, Musik und Theater verschob.

Seine Aktionen nehmen oft die Form von Ritualen an, die von sakraler Symbolik durchdrungen sind und in denen Blut (das real oder metaphorisch sein kann) zu bildlicher und spiritueller Materie wird. 1960 begann er mit seinen ersten Malaktionen, die die Geburtsstunde seiner Schüttbilder markierten: Leinwände, die von roten Farbspritzern geprägt sind, der Farbe des Blutes und des Opfers. Er betitelte diese frühen Gemälde mit Kreuzwegstationen.

Von da an nahm diese rote Farbe einen zentralen Platz in seinem Werk ein. Für den Künstler ist Rot nicht nur ein religiöses Symbol: Es steht für ein lebenswichtiges, universelles Element, das allen Kulturen gemeinsam ist. Es verkörpert sowohl den Tod als auch die Intensität des Lebens. Diese „Intensität“ ist grundlegend für sein Werk: Sie durchzieht seine Leinwände, beeindruckt, hinterfragt, weckt das Bewusstsein für das Sein.

Im Zentrum einiger seiner Werke steht ein weißes Malhemd, ein seit den 1980er Jahren wiederkehrendes Element. Dieser Kittel, den Hermann Nitsch während seiner Malaktionen trägt und der die Stigmata des Künstlers trägt, wird anschließend wie eine T-förmige Trophäe auf die Leinwand gehängt. Er wird zu einer Metapher für Kenosis, einem griechischen Begriff, der sich auf den Akt des Entleerens oder Entblößens bezieht. In der Theologie bezieht sich Kenosis auf die Abkehr von göttlichen Attributen. Über diese symbolische Interpretation hinaus scheint er jedoch vor allem den Wunsch des Künstlers zu markieren, seine eigene Präsenz in den Mittelpunkt des Werks zu stellen und die Grenze zwischen Körper und Malerei zu verwischen.

Obwohl Blutrot in seinem Werk allgegenwärtig ist, ist es nicht die einzige Farbe, mit der sich Hermann Nitsch beschäftigt. Während seiner 45. Aktion im Jahr 2002 wurde Gelb zu seiner Hauptfarbe und entwickelte sich allmählich zu einem strahlenden Gelb: „das von reifem weizen unter der sommersonne“, wie der Künstler selbst sagt. Dieses Gelb intensiviert sich, bis es zu reinem, fast blendendem Licht wird. Die Farbe ist dann nicht mehr nur Materie, sondern verwandelt sich in intensives Licht und scheint eine spirituelle und sakrale Dimension zu erreichen: Es ist das Licht der Auferstehung und der Hoffnung.

Dieses leuchtende Gelb interagiert mit dem ursprünglichen Rot, und aus ihrer Begegnung entsteht Orange, ein ockerfarbener und sonniger Farbton, der eine Verbindung zwischen den frühen blutigen Werken und einer helleren, fast sakralen Dimension herstellt. Diese jüngsten Leinwände suggerieren eine symbolische Umkehrung: Gelb triumphiert über Rot, Licht triumphiert über Schmerz. Durch diese Entwicklung seiner Farbpalette stellt Hermann Nitsch seine Kunst erneut in den Dienst der Menschheit und bietet Farbe als Weg zur Offenbarung und als Form der bildlichen Erlösung an.

(Quelle: Galerie RX)

18. Oktober — 15. November 2025

RX | Paris
16 rue des Quatre Fils
75003 Paris
Frankreich
www.galerierx.com

Dienstag bis Samstag 10 — 18 Uhr
Eintritt frei