»UTOPIE. die konzeptionelle architektur des orgien mysterien theaters«

Ungefähr Mitte der 1960er Jahre begann Hermann Nitsch die Räume, in denen sich das 6-Tage-Spiel ereignen soll, selbst zu entwerfen. Da ihm das meiste der Gegenwartsarchitektur ein Gräuel war, war es ihm ein Anliegen seine Architektur unter der Erde anzusiedeln und auszubauen. Der analytische Abstieg in unbewusste vegetative Bereiche, welcher in seinen Aktionen angestrebt wird, findet seine Entsprechung in Erdhöhlen, in Katakomben, in Grabkammern, im lichtlosen Mutterleib.

Im Fokus der Ausstellung »UTOPIE. die konzeptionelle architektur des orgien mysterien theaters« steht das druckgrafische Werk des Künstlers, insbesondere die Wechselwirkung zwischen Aktion und Architektur und zeigt einen Überblick von den 1960er Jahren bis heute.

»ich kann keine neue architektur mehr sehen, sie ödet und widert mich an. unsere gesellschaftliche situation ist so beschissen, dass selbst gegenwärtige nutzbauten von einer abstossenden hässlichkeit sind. weil ich die welt nicht weiter verschandeln will, … will ich das o.m.theater unter der erde bauen und will damit auf die einzig mögliche heutige form zu bauen hinweisen. in der erde ist platz genug.
maulwurfgänge, ins erdreich gegraben, stellen eine schöpferische abkehr von der mangelnden erlebnisintensität des menschen dar. das pflanzenhaft vegetative, das diese gänge absichtlich vulgär zeichenhaft imitieren, soll uns erinnern, dass wir in einer welt leben, die biologisch bedingt ist und die biologisch aufrichtiger gesehen werden soll.« - hermann nitsch, 1969